[BUCHREZENSION] Die Seele des Stachelschweins

Titel:
OT:
Die Seele des Stachelschweins
Autor/in:
Anne Mehlhorn
Genre:
YA, Romance, Endzeit
Buchreihe:
Nein?!

Anne
Mehlhorn, Jahrgang 1990, wuchs in Aue im Erzgebirge auf und studiert
seit 2011 an der HTWK Leipzig Verlagsmanagement. Sie begann schon
früh mit dem Schreiben von Kurzgeschichten und veröffentlichte in
ihrer Jugend zwei davon in Anthologien. Mit siebzehn verfasste sie
ihren ersten abgeschlossenen Roman. Neben dem Studium arbeitete sie
einige Jahre lang selbständig als Werbetexterin. ›Die Seele des
Stachelschweins‹ ist ihre erste Verlagsveröffentlichung.

Deutsch
Taschenbuch/
11,95€
Seiten:
246
Verlag:
Fhl

Englisch
Deutsche
Originalausgabe!
Außergewöhnlicher
Roman mit Tiefgang und großem Gefühlskino!
Kurzbeschreibung

Seit
er an seinem größten Traum gescheitert ist, hat Noel der Welt den
Rücken zugekehrt. Die Sterne zu beobachten ist das einzige, wobei er
noch Freude empfinden kann. Eines Nachts entdeckt er einen Kometen,
der auf der Erde einschlagen und eine globale Katastrophe auslösen
wird.


Noel
beschließt, keinen vor der drohenden Gefahr zu warnen, denn weder
sein eigenes noch das Leben eines anderen ist für ihn noch von
Bedeutung. Doch dann lernt er Cassandra kennen. Cassandra, die alles
verloren hat und die glaubt, das Leben nicht verdient zu haben.

Buchgestaltung
Zuerst
wusste ich recht wenig mit Titel und Cover anzufangen, aber dahinter
steckt eine ganz großartige Idee! “Die
Seele des Stachelschweins” bezieht sich auf ein Zitat von Arthur
Schopenhauer und ist eine Metapher für menschliches Verhalten, bei
dem man sich gleichzeitig braucht und trotzdem wehtut. Diese passt
perfekt zu Roman und dessen Inhalt – ich finde das ziemlich
außergewöhnlich! 🙂
Meinung
Aufgrund der
Beschreibung des Buches hatte ich eigentlich ganz andere
Vorstellungen vom Inhalt. Es handelt sich hier nämlich nicht, um
eine typische Liebesgeschichte, sondern vielmehr um die Geschichte
zweier Menschen, deren Leben kaum noch Sinn macht, die zusammen
finden und einander wieder Hoffnung schenken. Das Buch beginnt
ziemlich trostlos, wodurch sofort eine melancholische Atmosphäre
geschaffen wurde, welche auch den gesamten Roman über anhält. Wer
also etwas düster angehauchte, ernste Geschichten nicht mag, der
wird hier wohl nicht glücklich werden. Zuerst lernen wir Noel
kennen, dessen Charakter ich von Anfang an sehr interessant fand. Er
hängt was Ziele oder Träume betrifft richtig in den Seilen und weiß
kaum noch etwas mit sich anzufangen, weshalb er beschließt
Selbstmord zu begehen. Das ist zu Anfang wirklich beklemmend und das
Verwunderliche an der Sache war, das die Autorin seine Gefühle so
eindringlich beschreibt, das ich ihn sogar verstehen konnte. Der
melancholische Touch der seiner Erzählung anhaftet, konnte mich
teilweise tief berühren und hat mich zum Nachdenken angeregt.
Besonders, da Noel nicht nur dieses Problem hat, sondern auch ein
Geheimnis, dass das Ende der Welt bedeuten könnte! Er ist nämlich
der Einzige, der um die Bedrohung mit dem Kometen Bescheid weiß…
Cassandra ist im
Vergleich zu Noel sogar noch eine Ecke krasser. Ihr Leben ist gelinde
gesagt beschissen. Sie hat alle Menschen verloren, die ihr etwas
bedeutet haben, lebt in einem Heim für Jugendliche und steckt
ständig in neuen Schwierigkeiten, weil sie es einfach nicht schafft
ihren Weg im Leben zu finden. Dazu kommt, das sie zu Beginn etwas
abgestumpft erscheint und gar nicht mehr in der Lage irgendetwas zu
fühlen, eben wegen all der Schicksalsschläge. So trinkt sie, flucht
und lässt sich wahllos von irgendwelchen Kerlen abschleppen,
einfach, weil sie es zulässt und ihr das eigene Befinden die meiste
Zeit egal ist.
Die beiden
Charaktere sind alles andere als stereotypisch, sondern sehr
authentisch. Ich fand es wirklich unglaublich gut, das man hier mehr
oder weniger Anti-Helden als Protagonisten hat. Es ist eben so:
Menschen sind egoistisch, nicht alle haben ein erfolgreiches oder
schönes Leben und manchmal gibt es keine Hoffnung mehr, egal, wie
sehr man danach auch sucht oder verlangt. Durch die schwerwiegenden
Themen, mit denen man sich hier befasst, fragt man sich auch
gleichzeitig, was man selber in solchen Situationen tun würde und
der Gedanke war stellenweise richtig unerträglich. Umso besser fand
ich, wie die Geschichten dieser zweier hoffnungsloser Menschen durch
das Schicksal zusammengeführt werden und sich danach alles ändert.
Auch die erste Begegnung zwischen Noel und Cassandra kam alles andere
als erwartet und ich fand es gut, wie unvorhersehbar alles zustande
kam.
Dabei ist das Buch
in erster Linie Contemporary (zeitgenössische Literatur) und alles
andere steht hinten an. Es geht viel um den Sinn des Lebens, Werte
wie Respekt, Vertrauen und Freundschaft und all das baut die Autorin
mit einem wundervoll poetischen Schreibstil in dieses Buch ein. Es
gab in fast jedem Kapitel eine Stelle, die mich mitreißen konnte,
weil sie einfach so schrecklich echt war! Man muss das wirklich
selber gelesen haben, um es verstehen zu können 🙂
Die Charaktere
entwickeln sich auch enorm im Verlauf des Plots, was mich beeindruckt
hat, denn das Buch ist mit seinen wenigen Seiten ja eher ein kurzes
und das es da geschafft wurde auf so viel Tiefgang wert zu legen,
fand ich große Klasse!
Die Handlung hat
auch was von einem-Traum-hinterher-jagen und das war der wirklich
spannende Teil! Noel und Cassandra unternehmen trotz
Altersunterschied, trotz Streiterein und anderer Konflikte, eine Art
Road-Trip, um die Polarlichter zu sehen, weil das etwas ist, das
Cassandra unbedingt tun möchte, bevor sie stirbt. Dabei hat Noel
ständig die Frist im Hinterkopf, nach der besagter Komet ein Unglück
mit der Kollision der Erde verursachen soll. Als Leser ist man neben
ihm der Einzige/die Einzige, die von diesem Aspekt der Handlung weiß
und das löst ein Gefühl der Bedrohung aus. Oft habe ich mich
gefragt: wie mag das wohl ausgehen?
Die Autorin
schreckt auch nicht davor zurück Themen wie Sex anzusprechen und die
Weise, wie dies im Roman beschrieben wurde, gefiel mir ebenfalls gut.
Es waren sehr realistische Situationen wiederzufinden und genau
deswegen, würde ich das Buch auch für eine höhere Altersklasse
einstufen.
Spannend wird es
auch, als der Sozialarbeiter, der für Cassandra zuständig ist Noel
eine Art Entführung unterstellt und aus dem netten Road-Trip eine
Flucht wird. Besonders das Ende vermochte mich zu fesseln, denn da
lag ich tatsächlich mit dem Ausgang der Geschichte falsch 😛 Der
kommt nämlich sehr überraschend daher und vermittelt eine tolle
Botschaft!
Tja, was soll ich
sagen? Einen winzigen Kritikpunkt habe ich allerdings doch. Mir
persönlich war das Buch an einigen Stellen zu kurz. Besonders viele
der Dialoge, die ich sehr mochte, endeten zu schnell und mir hat in
einigen Kapitel etwas mehr Handlung gefehlt. Immerhin musste man sich
nie über lange Beschreibungen oder dergleichen ärgern 😉
Ein
außergewöhnliches Debüt, das durch melancholisch gewebte
Atmosphäre, sehr interessante und authentische Charakter und viel
Spannung besticht. Ich habe mich beim Lesen auf eine ganz neue Weise
unterhalten gefühlt. Es muss eben nicht immer lustig oder romantisch
oder actionreich sein, sondern gerne nachdenklich und poetisch. Klare
Leseempfehlung für alle die abseits des Mainstreams eine düstere
Liebesgeschichte suchen! 🙂

An Autorin und Verlag für dieses Buch 🙂

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