[BUCHREZENSION] Wainwood House – Rachels Geheimnis

Titel:
OT:
Wainwood House –
Rachels
Geheimnis
Autor/in:
Sarah Stoffers
Genre:
YA, Contemporary, Mystery
Buchreihe:
?
Quelle: Danke an cbj! 🙂

Sarah
Stoffers, Jahrgang 1982, wuchs als Tochter zweier Journalisten in
Hamburg und Schleswig-Holstein auf. Schon früh wusste sie, dass sie
das Schreiben zu ihrem Beruf machen wollte. Für ihre Erzählungen
erhielt sie bereits erste Auszeichnungen und Veröffentlichungen. Sie
schrieb außerdem für Prinz, das Straßenmagazin Hinz&Kunzt und
die Hamburger Morgenpost. Mit »Wainwood House – Rachels Geheimnis«
legt Sarah Stoffers ihren ersten Jugendroman vor.

Deutsch
Gebunden/
16,99€
Seiten:
526
Verlag:
cbj

Englisch
Deutsche
Originalausgabe!
Historischer
Roman, mal ganz romantisch und stilvoll.
Kurzbeschreibung
Strenge
Regeln, dunkle Geheimnisse, große Gefühle

England, 1907. Die
Ankunft des ägyptischen Waisenmädchens Jane am Landsitz der
adeligen Familie Goodall sorgt für Aufruhr unter Herrschaft wie
Dienerschaft. Butler Maxwell Frost sieht sich gezwungen, das Mädchen
als Hausmädchen in die strenge Hierarchie der Angestellten zu
integrieren, während der Earl of Derrington mit unangenehmen
Erinnerungen an seine Militärzeit in Ägypten konfrontiert wird. Und
es kündigen sich weitere Gäste an: Colonel Feltham, der mit dem
Earl in Ägypten gekämpft hat, sowie der junge und reiche Erbe Ruben
Crockford lassen das Herz von Lady Derrington höher schlagen, denn
ihre Töchter Claire und Penelope sind im heiratsfähigen Alter …

Buchgestaltung
Die Gestaltung
passt wunderbar zum Buch! Auf dem Cover ist ein altes, englisches
Herrenhaus zu sehen, dass Wainwood House perfekt darstellen könnte.
Die vielen kleinen Details sind auch sehr schön fürs Auge, z.B. das
Mädchen im weißen Kleid, weil Jane genauso ihren ersten Auftritt
hat, als sie sich bei den Godells vorstellt. Der Titel „Rachels
Geheimnis“ umfasst das Mysterium der Handlung. Tja, alles in allem
eine gelungene Aufmachung für ein gelungenes Buch! 🙂
Meinung
Sofort nach den
ersten Seiten vom Buch wurde mir klar, dass Sarah Stoffers ein
unglaubliches Talent dafür hat, Geschehnisse bunt und lebendig zu
beschreiben. Die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts wurde hier sehr
charmant und realistisch umgesetzt, wodurch ich rasch in die Handlung
hinein gefunden habe. Obwohl das Buch mit seinen über 500 Seiten
dicker ist als andere Jugendbücher, wollte ich gar nicht, dass es
endet. Mit jedem Satz, jeder Zeile wurde meine Phantasie mehr
beflügelt und ich habe die Art und Weise der Autorin sehr gern
gewonnen. Bisher habe ich nur wenige historisch angehauchte Romane
gelesen und auch nur aus einem anderen Genre. Das dieses Buch für
Jugendliche konzipiert wurde ist ein Pluspunkt, wie ich finde, denn
so lag großer Fokus aus den kleinen Liebesdingen und auch
Freundschaften, die ich in so manch anderem Buch vermisst habe.
Wenn ich nachdem
Lesen so darüber nachdenke, fällt mir auf Anhieb nichts ein, dass
ich dem Buch als Schwäche zuteilen könnte. Ich hatte etwas andere
Erwartungen an den Inhalt der Geschichte, aber ich wurde nicht
enttäuscht. Vielmehr überrascht, denn in Wainwood House spielen
sich viele Geschichten nebeneinander ab. Dabei rückten eine
Charaktere mehr in den Fokus als andere und das war auch gut so. Zu
den Protagonisten zählen Jane, die nachdem Tod ihrer Eltern von
einem Freund derer nach Wainwood geschickt wird, um dort Arbeit zu
finden und letzten Endes damit ein schweres Los gezogen hat, weil sie
zuvor ein anderes Leben geführt hat. Die Tochter des Besitzers von
Wainwood, Penelope, die im Schatten ihrer großen Schwester Claire
steht und ziemlich wild und verrückt ist und ihr Cousin Julian, der
mit ganz eigenen inneren Konflikten zu kämpfen hat. Am Anfang des
Buches findet man ein kleines Glossar, da doch zu Beginn viele Namen
fallen. Meiner Meinung nach hat die Autorin aber ganze Arbeit
geleistet, weil man zügig die unterschiedlichen Charaktere gut
auseinander halten kann.
Man liest sich gut
zweihundert Seiten durch das Buch, ohne, dass dabei groß über
Ägypten und das Rätsel um Jane gesprochen wird, aber das hat der
Geschichte keinen Abbruch getan. Viel zu spannend waren die sozialen
Verstrickungen aufgebaut, die man nach und nach kennen lernt. Junge
Damen, die einen Ehemann finden müssen, verschwörerisches Geflüster
unter den Dienstboten und die Beschreibungen der Zeit selbst, in der
alles so anders war als in unserer Gegenwart, machen das Buch sehr
unterhaltsam. Dabei gefiel mir besonders gut, wie die Autorin immer
wieder die Perspektive wechselt und man Einblicke in alle Bereiche
der Erzählung erhält. Folgt man Jane, lernt man etwas über
Wainwood kennen, bei Penelope bekommt man immer etwas zu lachen und
eine süße Romanze gleich mit und bei Julius erfährt man ziemlich
unheimliche Dinge und einen Blickwinkel, der etwas neutraler, aber
wachsamer ist. Die Mischung hat wunderbar funktioniert!
Hin und wieder
wurden kleine Details in die Geschichte gestreut, die viele Gefühle
beim Lesen wecken. Einerseits verachtet man manche der Figuren,
anderseits kann man die Motive und Gedanken jener immer
nachvollziehen. Sarah Stoffers hat ein Gebilde geschaffen, dass zu
faszinieren weiß, weil es zwischen lehrreich und fesselnd schwankt
und einen deshalb kaum noch los lässt.
Der Teil in dem
Ägypten, die Ausgrabungen und die Arbeit von Janes Eltern zur
Sprache kommt waren gut erklärt und haben mich was das ganze Thema
angeht unheimlich neugierig gemacht. Als die erste Wende dies
betreffend im Buch auftaucht, war ich wirklich hin und weg, weil man
als Leser zunächst gar nicht weiß, ob man sich Dinge nun falsch
zusammenreimt oder sie doch wahr sind. Wie bei einem Mystery-Thriller
wird hier mit dem Glaube an die Realität gespielt.
Ab der Mitte
sammeln sich immer wieder kleine Spannungsmomente an und das Ende
wurde sehr logisch gestaltet. Es gibt kein übermäßiges Drama,
sondern eine runde Aufklärung, über die man staunen und bei der man
mitfiebern kann. Die Einbindung mehrere Handlungen und Charaktere
fand ich sehr eindrucksvoll. Die vielen Konflikte zwischen den
Schichten, innerhalb der Familie und mit anderen Außenstehenden
setzten dem Ganze noch eine Krone auf. Gefallen hat mir auch, dass
man am Ende gut mit dem Roman abschließen kann, aber sich eben nicht
alles zu 100% zum Guten wendet, weil das Leben eben nicht in schwarz
oder weiß zu unterteilen ist. Besonders zur damaligen Zeit wäre das
unrealistisch gewesen.
Ein paar kleine
Abzüge bekommt das Buch trotzdem bei mir. Ich fand das der
Handlungsstrang mit Julien leider viel zu schnell abgehandelt wurde
und auch was Claire betrifft hatte ich am Ende noch ein paar Fragen.
Sicher, kann man sich denken, wie in etwa die Geschichten der beiden
weiter gehen, aber ich hätte es schöner gefunden, wenn das noch
kurz gesagt worden wäre. Dann gab es da die Stelle mit der
Entführung (mehr verrate ich jetzt nicht) und die fand ich leider
ein klein wenig problematisch beschrieben, weil ich einfach nicht
verstehen konnte, was Begleitperson X sich dabei dachte, die andere
Person einfach stehen zu lassen.
Eine
wundervolle Geschichte um eine Familie mit vielen Geheimnissen,
eingepackt in den alten Charme eines Englands im 19. Jahrhundert und
einem Herrenhaus in dem es dank facettenreicher Charaktere jeden Tag
drunter und drüber geht. Obwohl man das Buch so stehen lassen kann,
bin ich mir sicher, dass wir irgendwann nach Wainwood House
zurückkehren werden – ich freue mich schon! 🙂

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