[BUCHREZENSION] Wilder Sommer


Titel:
Wilder Sommer
OT:
Wild Life
Autor/in:
Fiona Wood
Genre:
YA, Contemporary
Buchreihe:
Nein!
Quelle:
Danke an den Verlag 🙂

Fiona
Wood schreibt sowohl DrehbĂŒcher als auch JugendbĂŒcher, fĂŒr die sie
schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Sie lebt mit ihrer Familie in
Melbourne, Australien. “Mein wilder Sommer” ist ihr erstes
Buch, das auf Deutsch erscheint.
Deutsch
Taschenbuch/
8,99€
Seiten:
464
Verlag:
cbt

Englisch
Gebunden/ 13,11€
Seiten: 400
Verlag: Poppy





Ein
Sommerbuch mit ĂŒberraschend viel Tiefgang.
Kurzbeschreibung
Seit
Sibylla denken kann, steht sie im Schatten ihrer besten Freundin
Holly. Aber als sie zufÀllig das Gesicht einer Werbekampagne wird,
interessieren sich auf einmal alle fĂŒr sie. Sogar Ben, fĂŒr den sie
schon lange schwÀrmt. Doch da ist auch noch Michael, Sibs Freund aus
Kindertagen, der ganz offensichtlich in sie verliebt ist. Und sich
auf einmal großartig mit Lou versteht, die neu in der Klasse ist. Es
braucht einen ganzen Sommer, bis Sib herausfindet, wer ihre Freunde
sind und wer sie wirklich ist.
Buchgestaltung
Die deutsche
Aufmachung gefÀllt mir um LÀngen besser, denn dank der knalligen
Farben fĂ€llt das Buch direkt ins Auge. Außerdem finde ich diese Art
von „Gedankenblase“ passt sehr gut zum Roman, da es viel um
WĂŒnsche und TrĂ€ume geht. Wilder Sommer passt auch viel besser zum
Buch als „wildes Leben“. Die englische Aufmachung ist aber auch
nicht schlecht. Sie zeigt vermutlich die beiden Freundinnen – aber
man sieht ja nur die Beine und FĂŒĂŸe 😛
Meinung
Wilder Sommer
erzÀhlt eigentlich zwei verschiedene Geschichten, die sich, da sie
am selben Ort spielen, immer wieder kreuzen. Die erste ErzÀhlerin
der Geschichte ist Lou. Sie hat ihren Freund bei einem Unfall
verloren und ist seitdem ziemlich abwesend, was ihr eigenes Leben
angeht. Sibylla oder auch Sib genannt ist das genaue Gegenteil von
der ruhigen und melancholischen Lou, denn sie ist ziemlich verknallt
in einen Jungen und hat eine Liste mit aufgeweckten PlÀnen, wie sie
diesen rum bekommen kann. Die beiden MĂ€dchen haben eines gemeinsam:
Sie verbringen ihren Sommer aus unterschiedlichen GrĂŒnden in einem
Camp, weit von zu Hause entfernt, fast in der „Wildnis“ und
eigentlich will keine der beiden das so recht.
Aufgrund des
Klappentextes könnte man meinen, dass die Handlung mehr auf Sib
fokussiert ist, aber hier wechseln die Perspektiven eigentlich immer
sehr ausgeglichen. Dabei lÀuft die Geschichte am Anfang erst mal
eine Weile in unterschiedliche Richtungen, wenn wir beide MĂ€dchen
nÀher kennenlernen. Gerade der Wechsel zwischen den sehr
verschiedenen Blickwinkeln und GefĂŒhlen war unheimlich interessant.
Dadurch wird das Buch auch nie langweilig oder gar deprimierend. Im
einen Augenblick leidet man mit Lou, dann hat man wieder Spaß mit
Sib. Der Autorin ist die Balance hier wirklich sehr gut gelungen. Das
Buch hatte auch einfach so viel mehr Tiefgang als man von einem
solchen „Sommerbuch“ wohl erwarten wĂŒrde. WĂ€hrend Lou mit ihrem
Verlust kĂ€mpft und Sib Probleme mit Vertrauen gegenĂŒber ihren
Freunden hat, gibt es viele Nebenfiguren, die ebenfalls ordentlich
Wind in die Handlung bringen. Es gibt Schwierigkeiten an jeder Ecke
und die Autorin thematisiert doch mehr als nur die typischen
Jugendbuch-Konflikte.
Ansonsten hat das
Buch natĂŒrlich auch so seine Stereotypen. Vom Plot her gab es auch
genau das, was ich mir erhofft hatte. Man erlebt eine witzige,
teilweise ernste Geschichte in einem Camp voller Menschen, die
zusammen Abenteuer erleben oder unterhaltsam-dramatische Momente
lebendig werden lassen. Durch die zwei Perspektiven bekommt man
einfach eine Menge mit und ich denke, dass fĂŒr jeden Leser etwas
dabei sein wird. Zwar konnte ich mich weder mit Lou, als mit Sib
identifizieren, aber ihre Charaktere waren durch die SchwÀchen und
StÀrken, die sich klar im Verlauf der Handlung gezeigt haben
trotzdem sehr sympathisch.
Was ich besonders
gerne mochte war, dass es im Buch auch mehr um Freundschaft als um
eine tatsÀchliche Liebesgeschichte geht. Viele Romane bieten ja
entweder nur das eine oder das andere. Ich fand die vielen Momente
zwischen Lou und Michael wirklich schön gemacht und auch die Streits
zwischen Sib und Holly haben gezeigt: Manche Freundschaften sind
entweder fĂŒr die Ewigkeit bestimmt oder nicht.
Das Buch ist fĂŒr
eine Contemporary-Geschichte meiner Meinung nach ziemlich dick.
Dadurch entstanden zwischendurch teilweise ein paar Kapitel, die als
nicht ganz so interessant empfand. Das lag sicher daran, dass viele
der Szenen sich durch den Alltag im Camp wiederholten. DafĂŒr hat
sich Fiona Wood jedoch genug Zeit genommen, um das Ende in sich
abzuschließen und den zwei Protagonistinnen ein zufriedenstellenden
Abschluss zu geben. Alles in allem war die Geschichte wirklich gut
durchdacht aufgebaut. Was ich mir allerdings noch ein wenig mehr
gewĂŒnscht hĂ€tte, wĂ€re eine Eskalation bestimmter Konflikte.
Besonders in Lou tobt ein Sturm, der nie ganz zum erliegen kam, aber
sie hat sich nicht komplett damit auseinander gesetzt. Vielleicht lag
das aber auch einfach an ihrem Charakteretyp.
Wilder
Sommer ist in vieler Hinsicht das Genre-ĂŒbliche Sommerbuch, hat
jedoch mehr Tiefgang als die meisten Geschichten. Besonders die
vielen Charaktere machen es möglich, mit unterschiedlichen Problemen
mitzufĂŒhlen oder Interesse zu wecken. Die ganze Camp-Konstellation
sorgt fĂŒr viel Aufregung, kleine Romanzen und das Schließen von
neuen Freundschaften. Fiona Woods hat den Sommer in ihrem Roman
definitiv wild gestaltet, wenn auch ab und zu anders als vom Leser
gedacht.

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