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[BUCHREZENSION] Mein wahrhaft wirkliches Leben davor und danach

Titel:
Mein wahrhaft wirkliches
Leben
davor und danach
OT:
The Beginning of Everything
Autor/in:
Robyn Schneider
Genre:
YA, Contemporary
Buchreihe:
Einzelband!
Zur
Verlagsseite:

Robyn
Schneider
ist
Autorin, Schauspielerin und Videobloggerin. Sie studierte Kreatives
Schreiben an der Columbia University und Medizinethik an der
Pennsylvania School of Medicine. Sie lebt in Los Angeles – und im
Internet.
Deutsch
Broschiert/
14,95€
Seiten:
400
Verlag:
dtv

Englisch
Taschenbuch/
9,31€
Seiten:
352
Verlag:
Katherine Tegan

Ein wahrhaft wirklich gelungener Roman! 🙂
Kurzbeschreibung
Ezra
hat eigentlich alles: Er ist beliebt, ein Superathlet und hat eine
hübsche Freundin. Welcher Sechzehnjährige würde nicht von so einem
Leben träumen? Doch dann hat Ezra einen Autounfall und alles ändert
sich: Er kann keinen Sport mehr machen, seine Freundin ist jetzt mit
einem anderen zusammen – und er fragt sich, was er von seinem Leben
wirklich will. Da trifft er auf Cassidy, die wunderbare,
außergewöhnliche, unangepasste, intelligente Cassidy, und gemeinsam
stürzen sie sich ins Abenteuer . .
Buchgestaltung
Wenn man die ersten
Kapitel des Romans hinter sich hat versteht man auch die Ironie
hinter dem Cover. Alles fing mit einer Achterbahn an und letzten
Endes ist die Freundschaft, die deshalb zerstört wurde auch für
alles andere verantwortlich, was in der Geschichte folgt. Nicht zu
vergessen, dass man das Thema: Ein Leben wie eine Achterbahnfahrt
damit auch wunderbar aufgreifen kann. Gelb ist auch einfach mal eine
Farbe, die sich etwas von den Üblichen abgrenzt und sofort ins Auge
sticht. Die Titelwahl finde ich in beiden Sprachen sehr gelungen.
Passt einfach.
Meinung
Mein wahrhaft
wirkliches Leben davor und danach ist im Gegensatz zu den meisten
Contemporary Büchern aus der Sicht eines Kerls geschrieben. Robyn
Schneider hätte keine bessere Wahl bei ihrem Protagonisten treffen
können. Ezra war vielleicht der beste männliche MC, aus dessen
Sicht ich jemals lesen durfte. Das ich ihn sympathisch fand, ist noch
eine Untertreibung. Vielleicht liegt es auch daran, dass er all die
Eigenschaften hatte, die ich an anderen Menschen schätze oder eben,
dass er nicht perfekt und teilweise ein echter Arsch war, aber ich
fand ihn große Klasse. Und ich rede hier nicht von der Sorte
Charakter, die man anschmachtet, weil er oh-so-toll ist, sondern von
jemanden, den man respektiert und dessen Geschichte man wahnsinnig
gerne folgt. Ezra ist ein „golden boy“ – gut aussehend, beliebt
und steht eigentlich für alles, was ich an Klischees nicht mag.
Die Sache ist aber
die, er hat sie nie wie ein Klischee benommen. Eigentlich ist er zu
Beginn des Buches ein regelrechter Mitläufer, der versucht den
Erwartungen anderer gerecht zu werden. Natürlich funktioniert das
schlecht, besonders, wenn man einen eigenen Willen hat und keine
hirnlose Marionette ist. Ezra steht sich die ganze Zeit also selber
im Weg. Sein Leben geht nämlich ein wenig den Bach runter. Nach
einem Unfall kann er keinen Sport mehr machen und fühlt sich im
Gefüge und der Rangordnung seiner Schule Fehl am Platz. Seine
Freundin ist weg, er will nicht mehr mit seinen alten Freunden
abhängen und irgendwie drängt er sich selbst ins Aus.
Das Interessante an
seiner Figur war definitiv die Entwicklung, die er durch macht. Die
Autorin hat sehr realistisch beschrieben, wie sich Hoffnung und
Träume aufbauen können und wie sich das Leben dank des Einflusses
von neuen Perspektiven schnell verändern kann. Hauptgrund dafür ist
eine alte Freundschaft, die zwischen Ezra und Toby auflebt. Die
beiden waren früher einmal beste Freunde, bis sie etwas auseinander
brachte. Toby war der totale Nerd und hat mit seiner frischen und
lustigen Art ganz viel Schwung in die Handlung gebracht. Ich habe so
oft gelacht und den Kopf geschüttelt, dass ich irgendwann nicht mehr
mitzählen konnte, wie amüsant alles war.
Die Autorin hat
eine ganz besondere Art den Alltag der Charaktere zu gestalten. Ihre
Einfälle waren wirklich genial und durch die vielen Ups-and-downs
wurde es mir nie langweilig. Ich fand es einfach wunderbar, wie viel
Freundschaft eine Rolle gespielt hat und wie toll alle Figuren
zusammen gepasst haben. Denn Toby ist im Debattier-Club und hat eine
Menge Freunde im Schlepptau, darunter auch Cassidy. Die war ein Fall
für sich und wie erwartet Ezras Love-Interest. Es war ziemlich
witzig mal aus der Sicht eines Jungen zu lesen, wie ein Mädchen ein
wahres Mysterium in seinem Leben darstellt. Das Tolle war auch, dass
die beiden sich merklich ineinander verlieben und sich diese Gefühle
über das gesamte Buch hinweg aufbauen. Nichts mit
gesehen-und-gefunden und das war einfach genau mein Ding. Es gab
sarkastische Dialoge, eine ordentliche Portion Streit, aber auch die
Zeit, in der beide zusammen waren und in der man als Leserin einfach
genießen konnte, wie süß die beiden doch waren. Ihre Liebe war
herrlich unkompliziert und gleichzeitig ein einziges Rätsel.
Der Roman hat
einfach von der ersten Seite an Spaß gemacht. Die Autorin bedient
noch einige andere Klischee, besonders, was die High School betrifft,
aber sie hat jedes mal die Kurve bekommen, damit es nicht zu
stereotypisch wird. Natürlich konnten die lockeren Sprüche und der
Humor am meisten bei mir punkten. Ezra liegt Sarkasmus im Bezug auf
sich und sein Leben einfach im Blut. Das Faszinierende daran war aber
auch, dass vieles, dass zuerst witzig erschien auch eine tiefer
gehende Bedeutung hatte. Kapitel für Kapitel saß ich selber in
einer Achterbahn und wusste manchmal gar nicht, ob ich nun lachen
oder weinen sollte.
Das, was eine gute
Geschichte letzten Endes trägt, sind die Steine, die Autoren ihren
Figuren in den Weg legen und hier waren die Steine stellenweise
Felsbrocken. Die Konflikte von Ezra und seiner Identitätskrise,
seine Eltern, Cassidy…manchmal hat er es einfach mächtig versaut
und ich war froh, dass seine Freunde zur Stelle waren, um ihn den
Kopf zu waschen oder ihn einfach einen Arsch zu nennen. Dabei
verliert die Autorin nie das Gesamtbild aus den Augen. Cassidy selbst
hat auch einige Geheimnisse und hin und wieder erfuhr man mehr über
die Nebencharaktere, die ich alle in mein Leserherz geschlossen habe.

Gegen Ende kommt
die Spannung dann noch einmal voll in Fahrt. Es gibt Drama und
Herzschmerz, Erkenntnisse und einen Blick auf die Zukunft und
*schnief* nicht alle bekommen ein Happy End *schnief* aber so ist das
halt, wenn man ein wahrhaft wirkliches Leben lebt und das tun wir im
Grunde doch alle, nicht wahr?
Mit
ihrem Debüt konnte mich Robyn Schneider vollends überzeugen. Genau
wegen solchen Büchern liebe ich Contemporary. Die Geschichte war
echt, witzig, dramatisch und hatte so viel Charme und Herz, dass ich
sie sofort ein zweites Mal lesen könnte. Mein wahrhaft wirkliches
Leben davor und danach ist nicht nur eine Liebesgeschichte. Der Roman
behandelt Freundschaft, Humor, Familie und in gewissen Sinne auch
Verlust, weil es nie leicht ist auf dem Weg des Lebens gradlinig
weiter zu gehen. Oder, um es mal mit dem passendem Zitat aus dem Buch
zu sagen:

Oscar
Wilde sagte einmal, nichts sei seltener auf der Welt, als dass jemand
sein Leben wirklich lebe, da die meisten Menschen nur existieren.
Keine Ahnung, ob er damit wirklich recht hatte oder nicht, aber ich
weiß, dass ich lange Zeit bloß existiert habe und dass ich von nun
an leben will.“
– S. 395

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