[BUCHREZENSION] Egal wohin

Titel:
OT:
Egal wohin
Autor/in:
Franziska Moll
Genre:
YA, Contemporary
Buchreihe:
Einzelband
Zur
Verlagsseite:

Franziska Moll lebt mit ihren Zwillingsmädchen in einem kleinen idyllischen Dorf in der Nähe von Köln. Nachdem sie schon mit drogenabhängigen Jugendlichen gearbeitet hatte, entdeckte sie das Schreiben für sich, lernte an der Internationalen Filmschule alles, was sie für ein gutes Drehbuch wissen musste und entwickelte Sitcoms und Filmideen. Doch erst, als sie sich entschloss, nur noch Romane zu verfassen, hatte sie endlich ihren absoluten Traumberuf gefunden. Eigene Verluste inspirierten und bestärkten sie in der Hoffnung, dass aus jedem Schicksalsschlag auch etwas Gutes entstehen kann.
Deutsch
Gebunden/
12,95€
Seiten: 224
Verlag:
Loewe


Englisch
Deutsches
Original!
Unverwechselbarer
Schreibstil, vom Inhalt her nicht ganz Meins.
Kurzbeschreibung
Die
berührende Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen, das vor ihrem
Leben flieht, und einem Jungen, der für sein Leben kämpft. Jo zählt
die Tage, bis sie nach Kreta auswandern kann – endlich 18 Jahre
alt, endlich unabhängig, endlich frei. In Kreta möchte sie ein
neues Leben anfangen, mit Koch, ihrem Kumpel aus dem Restaurant, in
dem sie kellnert. Doch als dieser verschwindet, sieht Jo, dass Koch
nicht der einzige Mensch ist, dem Jo am Herzen liegt. Der
unscheinbare, geradezu unsichtbare Amar ist es, der sich nun um Jo
kümmert, bei ihr bleibt, egal, wie sehr sie ihn von sich stößt.
Der ihr die Schönheit des Lebens zeigt, wie nur er sie sehen kann.
Sabine Both alias Franziska Moll trifft den Ton der Jugendlichen auf
den Punkt und zeigt, dass Hoffnung und Lebensmut nicht nur aus Liebe,
sondern auch aus Freundschaft erwachsen kann.
Buchgestaltung
Egal wohin hat eine
wunderschöne Aufmachung, die auch perfekt zu Franziska Molls Debüt
„Was ich dich träumen lasse“, passt. Das der Verlag bei den
Einzelbänden der Autorin dem Stil treu bleibt, finde ich wunderbar.
Das Cover spiegelt auch schön den Inhalt wieder, weil die Vögel und
der klare Himmel für mich für Freiheit und Träume stehen. Der
Titel ist super gewählt und wird im Roman oft aufgegriffen.
Meinung
Was ich dich
träumen lasse konnte mich letztes Jahr vollends überzeugen und
deshalb war ich sehr auf das neue Buch von Franziska Moll gespannt.
EGAL WOHIN erzählt die Geschichte von Jo, die ihrem Leben entfliehen
möchte und das Ziel nach Kreta zu gehen verfolgt. Franziska Moll hat
auch in diesem Buch einen sehr außergewöhnlichen Schreibstil, der
sich deutlich von der Masse an Jugendbüchern abhebt. Mit klaren,
kraftvollen Sätzen trifft sie den Leser mitten ins Herz. Dieses Buch
ist im Gegensatz zu ihrem Debütroman noch mal eine Ecke
melancholischer, von der Atmosphäre her fast düster und erdrückt
einen hin und wieder auch mal. Das Jo sich gefangen fühlt, in ihrer
Situation, ihrem Leben, wird dadurch glasklar. Gefühle zu
beschreiben hat die Autorin einfach drauf und genau dadurch wird man
auch schnell in die Geschichte hineingezogen.
Zu Beginn war ich
mir nicht ganz sicher, was ich eigentlich vom Buch erwarten sollte.
Es wird schon ein wenig, wie eine Liebesgeschichte vermarktet, aber
meiner Meinung nach, liegt der Schwerpunkt doch mehr an anderen
Stellen. Das Buch zeigt viele Szenen, in denen Jo bei ihrem
Therapeuten sitzt und ausgequetscht wird, aber auch das aktuelle
Geschehen, während sie in einem Restaurant arbeitet. Hin und wieder
werden die Kapitel, die hier als verstreichende Tage bis zu ihrem
Geburtstag aufgebaut sind, von seltsamen Erinnerungen oder
Botschaften unterbrochen. Erst ganz spät, kurz vor Ende, weiß man,
was diese Unterbrechungen bedeuten.
Die Mischung
kombiniert mit dem tollen Schreibstil hat mich doch enorm fasziniert,
auch, wenn es der Inhalt bis dahin noch nicht so wirklich konnte.
Zeitweise habe ich die Ereignisse im Buch als unvollständig
empfunden. Das Buch ist ein kleines Rätsel. Man merkt schnell, dass
Jo sich nicht mit ihren Eltern versteht und stattdessen eine enge
Beziehung zu einem der Mitarbeiter des Restaurants hat, mit dem sie
ihren Traum, nach Kreta zu gehen, verfolgen möchte. Koch war im Buch
allerdings nur anfangs präsent, denn die Suche nach seinem Verbleib
nimmt eine große Rolle im Plot ein. Allgemein ist das Buch sehr
minimalistisch und konzentriert sich stark auf Jo und ihr kleines
Umfeld. Viele Dinge werden nur angeschnitten und der
Vorstellungskraft des Lesers überlassen.
Das hat mich doch
ein wenig gestört. Man bekommt immer nur Happen vorgesetzt und
Erklärungen an einem Stück sind ganz selten. Dadurch habe ich beim
Lesen manchmal das Ziel des Buches aus den Augen verloren, was etwas
schade war. Jo hat auch eine ganz spezielle Art zu Denken und ihr
Humor war nicht immer mein Fall. Man könnte sagen, dass sie recht
abgebrüht und gefühlskalt ist. Durch eine Sache in der
Vergangenheit ist sie ziemlich abgestumpft und sieht die Flucht nach
Kreta als einzige Möglichkeit, ihrem Leben wieder Sinn einzuhauchen.

Die
Liebesgeschichte zwischen Jo und Amar hingegen hat mir wieder
gefallen. Man denkt zunächst gar nicht darüber nach, wie diese zwei
unterschiedlichen Menschen jemals zusammenpassen könnten, aber die
Dinge im Buch schweißen die beiden zusammen. Es war auch einfach
toll, einen Love-Interest mit vielen Problemen (und auch einer
kleinen Sprachbarriere) zu haben, anstatt den nächsten Schönling,
die mir in Jugendbüchern schon echt zum Hals raushängen. Die beiden
Figuren und ihre etwas seltsame Beziehung waren sehr echt beschrieben
und mal was anderes.
Besonders zum Ende
hin hat mich das Buch einfach richtig umgehauen. Das Geheimnis,
welches dort ans Licht kommt, hatte ich absolut nicht erwartet. Fast
wehmütig kam der Abschluss daher und hat mich tief beeindruckt und
zum nachdenken angeregt. Leider war die Handlung im Großen und
Ganzen mit ihren knappen Dialogen und oberflächlichen Details nicht
durchgehend so einnehmend gestaltet, auch, wenn der Schreibstil nicht
zulässt, dass man die Geschichte zur Seite legt. Eines muss man
Franziska Moll aber lassen, sie kann ziemlich abgedrehte,
erschreckend echte Szenarien beschreiben, die vom üblichen Weg der
normalen Jugendbücher aus dem realistischen Genre stark abweichen.

Egal
wohin bleibt seinem Titel meistens sehr treu, denn stellenweise weiß
man gar nicht „wohin“ die ganze Geschichte eigentlich geht. Die
Mitte des Buches konnte mich nach dem interessanten Einstieg leider
nicht überzeugen, zu viele Fragen blieben ungeklärt oder wurden nur
angerissen. Dennoch ist der zweite Roman von Franziska Moll ein gut
geschriebenes Buch, das durch handwerkliches Geschick und
fantastische Formulieren packen kann. Gegen Ende kann man gar nicht
anders, als mit offenem Mund da sitzen und die spannende Wende
verarbeiten. Mich konnte das Buch nicht so sehr begeistern wie „Was
ich dich träumen“ lasse, dennoch sucht ein solches Buch in seinem
Genre noch Werke, die mithalten können. Realität. Gefühle. Träume.
Darin ist die Autorin wirklich gut. 

3 Kommentare

  1. Sind die beiden Bücher denn zwingend in der Reihenfolge zu lesen? "Egal wohin" kommt nämlich bald per Post, allerdings wusste ich nicht, dass es da einen Vorgänger gibt?!?

    Liebe Grüße,
    Nazurka

    1. Anscheinend hab ich das etwas verwirrend ausgedrückt 😛 also Was ich dich träumen lasse und Egal wohin sind beides Einzelbände, die man ganz unabhängig voneinander lesen kann 😀

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