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[BUCHREZENSION] Go Set A Watchman

Titel:
Go Set A Watchman
OT:
Geh hin, stelle einen Wächter
Autor/in:
Harper Lee
Genre:
All Age, Fiction
Buchreihe:
To Kill A Mocking Bird #2
(Eigentlich keine
direkte Fortsetzung)
Zur
Verlagsseite und BDB:

Harper
Lee wurde 1926 in Monroeville/Alabama geboren. Sie studierte ab 1945
Jura an der Universität von Alabama, ging aber vor dem Abschluss
nach New York und arbeitete bei einer internationalen
Luftverkehrsgesellschaft. Für das 1960 veröffentlichte Debüt und
ihr bisher einziges Buch “Wer die Nachtigall stört”
erhielt sie mehrere Preise u.a. den Pulitzer-Preis. Der Roman zählt
zu den bedeutendsten US-amerikanischen Romanen des 20. Jahrhunderts,
wurde in 40 Sprachen übersetzt und hat sich international rund 40
Millionen Mal verkauft. “Gehe hin, stelle einen Wächter”
wurde von Harper Lee vor ihrem Weltbestseller “Wer die
Nachtigall stört” geschrieben. Der Roman galt bisher als
verschollen und erscheint nun, fast sechzig Jahre später, weltweit
zeitgleich. Harper Lee, 2007 mit der amerikanischen Freiheitsmedaille
des Präsidenten ausgezeichnet, lebt heute zurückgezogen in ihrem
Heimatort Monroeville/Alabama.
Deutsch
Gebunden/
19,99€
Seiten:
320
Verlag:
DVA

Englisch
Gebunden/
14,95€
Taschenbuch/
14,99€
Seiten:
288
Verlag:
Penguin


Hat
sich das Warten dafür wirklich gelohnt?
Kurzbeschreibung
In
„Gehe hin, stelle einen Wächter“ treffen wir die geliebten
Charaktere aus „Wer die Nachtigall stört“ wieder, 20 Jahre
später: Eine inzwischen erwachsene Jean Louise Finch, „Scout“,
kehrt zurück nach Maycomb und sieht sich in der kleinen Stadt in
Alabama, die sie so geprägt hat, mit gesellschaftspolitischen
Problemen konfrontiert, die nicht zuletzt auch ihr Verhältnis zu
ihrem Vater Atticus infrage stellen.

Ein
Roman über die turbulenten Ereignisse im Amerika der 1950er-Jahre,
der zugleich ein faszinierend neues Licht auf den Klassiker wirft.
Bewegend, humorvoll und überwältigend – ein Roman, der seinem
Vorgänger in nichts nachsteht.

Buchgestaltung
Ich bin mir
eigentlich gar nicht so sicher, wie genau ich die Gestaltung der
verschiedenen Ausgaben finden soll. Ehrlich gesagt bin ich kein Fan
von diesem „To Kill A Mocking Bird“ Aufdruck, den man überall
findet und bei der englischen Ausgabe sogar ins Cover eingearbeitet
ist. Es weiß doch echt jeder, wozu das Buch gehört, oder nicht? Das
englische Cover finde ich mit seinem Orange und der großen Schrift
allerdings ganz schön. Das deutsche Cover trifft nicht wirklich
meinen persönlichen Geschmack, hat aber irgendwie Bezug zum Buch.
Meinung
Ich war nie eine
der Leserinnen, die in der Schule genötigt wurden To Kill A Mocking
Bird zu lesen, sondern habe das irgendwann aus Neugier dann einfach
so getan. Ich hatte damals keine Erwartungen und wurde vielleicht
deshalb auch so positiv überrascht. Geben wir es doch mal zu –
schon allein das Wort „Klassiker“ ruft bei meiner Generation
Leser nicht unbedingt dieses „Must-Read“ Gefühl hervor (ich bin
26 Jahre alt), aber ich finde echt, es gehört zu Allgemeinbildung
den Roman zu kennen, ist er doch einer der meistverkauftesten
weltweit und dabei auch noch auf eine wirklich unterhaltsame Weise
lehrreich und einprägsam. Als es plötzlich hieß, es gäbe eine
„Fortsetzung“ da konnte ich nicht anders, als diese lesen. Ich
habe im Vorfeld schon so unglaublich viel Schlechtes gehört, dass
ich richtig Angst hatte, zu dem Buch zu greifen, aber die Neugier hat
(wieder) gesiegt und so habe ich mich auf eine neue Reise begeben,
die 20 Jahre nach dem ersten Buch spielt.
Atticus Finch ist
wohl die Figur der Literatur, die damals als ein Symbol für Recht
und Ebenbürtigkeit stand und es heute noch tut. Einer der Gründe,
warum ich das Buch damals mochte und es mich auch beeindruckt hat
war, dass zu einer Zeit, in der ich kaum etwas über den Bürgerkrieg
und Diskriminierung und Rassismus wusste (vor allem nicht in
englischsprachigen Ländern), der Roman die Umstände gezeigt hat,
unter denen damals viele Leute leben mussten. Einige Erkenntnisse
davon fand ich ziemlich hart und viele der Einblicke in die
Gesellschaft, Politik und das alte System haben mir echt kalte
Schauer den Rücken herunter gejagt. Gleichzeitig habe ich aber auch
gelernt, was es bedeutet verquerte Ansichten zu bekämpfen und für
etwas einzustehen, von dem man weiß, das es rechtens ist, das es
sein muss.
Als Einzelkämpfer
gegen ein eingefleischtes System zu stehen ist nicht leicht und ich
begreife auch, dass Menschen (oder Buchfiguren) sich ändern, aber es
gleicht schon fast einer gewissen Ironie, dass Harper Lee
ausgerechnet Finch zu jemanden hat werden lassen, der irgendwie gegen
das steht, was zuvor noch wichtig erschien. In der Zeit, die
vergangen ist, haben Bitterkeit und andere Umstände aus dem Symbol
etwas gemacht, das mich irgendwie geschockt hat. Es ist schon
ziemlich schwer, wenn man Figuren meint zu kennen, nur um dann von
Autoren das Bild, das man Jahre – JAHRE VERDAMMT – vor Augen
hatte, wieder zerstören zu lassen.
Viele der
Handlungen im Buch haben mir das, was ich an To Kill A Mockingbird so
geschätzt habe leider kaputt gemacht. Das finde ich ungemein schade
und kann es auch schwer in Worte fassen. Manchmal glaube ich einfach,
dass Bücher so stehen bleiben sollten, wie man sie als Einzelband
kennt – Ich war jedenfalls von den meisten Geschehnissen im Buch
doch arg vor den Kopf gestoßen. Harper Lee kann natürlich schreiben
und auch ihr bestimmter Tonfall zwischen den Zeilen regt noch immer
zum Nachdenken an, aber dennoch musste ich oft den Kopf schütteln.
Ich meine, viele Menschen haben Finch als DAS Vorbild schlechthin
gesehen und nun hat das Leben an sich alles kaputt gemacht wofür der
Name stand? Wirklich?
Das Buch hat mich
sehr zwiegespalten zurückgelassen. Es ist kein Werk, bei dem man
sich anmaßen kann die Figuren oder den Inhalten groß zu
analysieren, dafür wiegt de ganze Thematik irgendwie zu schwer. Jean
Louise aka Scout ist ebenfalls mit von der Partie und spielt eine
tragende Rolle und sie ist ihrem Charakter auch irgendwie treu
geblieben. Sie ist noch immer rebellisch, extrovertiert und einfach
offen und wild. Das hat der Story auch etwas das Gefühl des anderen
Buches wieder geholt und es war schön etwas Vertrautes in der
Geschichte wiederzufinden.
Die Dialoge sind
meistens keine leichte Kost. Viel politisches Geplänkel, aber auch
sehr gewichtige Worte und Schlagabtausche, die anregen selber
mitzudenken und verschiedene Blickwinkel zu betrachten. Stellenweise
war mir das alles etwas zu viel, da es nicht so abwechslungsreich
untermalt wurde wie im Erstlingswerk der Autorin. Wenn man natürlich
sehr interessiert an der ganzen politischen und
gesellschaftskritischen Seite, dann wird man den etwas zäheren
Passagen des Buches auch mehr abgewinnen können als ich. Ich sage es
nur ungern, aber irgendwie hatte ich in dieser Hinsicht etwas mehr
erwartet, neue Thematik, mehr Input, weniger historische Fakten –
Für mich gab es schon sehr oft diese Szenen, in denen ich irgendwie
den Faden verloren habe, weil sie extrem ausgeschlachtet wurden.

Alles
in allem ein Roman, der mich wirklich zwiegespalten zurücklässt.
Ich würde fast sagen, man muss ihn nicht lesen, weil besonders Finch
als Figur sein altes Selbst und alles, wofür dieses gestanden hat
irgendwie tötet. Es gibt viele Elemente, die unverkennbar Harper Lee
sind und mir gefielen, aber meistens war das politische Oberthema
doch präsenter als die Gesellschaftskritik oder die Hintergrundinfos
zu den Figuren. Ich will mir allerdings nicht anmaßen bei der
schweren Thematik ein allgemeines Urteil zu fällen – Ob das Buch
nun gut ist oder nicht, muss man wohl selber herausfinden. Ich für
meinen Teil bin allerdings schon enttäuscht und weiß nicht, ob ich
Harper Lee nun bewundern oder hassen soll. 

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