[BUCHREZENSION] Holmes & Ich – Die Morde von Sherringford

Titel:
Holmes & Ich – Die Morde von Sherringford
OT:
A Study In Charlotte
Autor/in:
Brittany Cavallaro
Übersetzerin:
Anja
Galic
Genre:
YA Fantasy
Buchreihe:
Charlotte Holmes #1
Zur
Verlagsseite:

Brittany
Cavallaro studierte zunächst am Middlebury-College in Vermont und
dann an der University of Wisconsin/Madison Creative Writing und
bereitet dort derzeit ihre Promotion vor. Sie ist Chefredakteurin
mehrerer Universitäts-Zeitschriften, konnte dank diverser Stipendien
ihr Schreibtalent ausbauen und veröffentlichte im Januar 2015 einen
ersten Band mit Gedichten. Seit ihrer Kindheit ist Brittany Cavallaro
ein riesengroßer „Sherlock“-Fan – so kam ihr die Idee zu „Holmes
und ich“, ihrem ersten Jugendbuchprojekt.

Deutsch
Gebunden/
16,95€
Seiten:
368
Verlag:
dtv

Englisch
Gebunden/
11,95€
Seiten:
336
Verlag:
Katherine Tegan


Solider Sherlock-Roman mit Witz und Spannung.
Kurzbeschreibung
Drei
Dinge will Jamie Watson partout vermeiden, als er gegen seinen Willen
auf ein Internat an der Ostküste der USA geschickt wird: 1.
Dort auf die charismatische Charlotte Holmes zu treffen, Nachfahrin
des legendären Sherlock, die allerorten für ihren komplizierten
Charakter und ihr detektivisches Genie bekannt ist. 2. Sich in
besagte Charlotte zu verlieben – natürlich unglücklich. 3.
Gemeinsam mit Charlotte in einen Mordfall verwickelt zu werden. Doch
dann wird Jamie von seinem Zimmergenossen zu einer Party
mitgeschleift, auf der er Charlotte begegnet und sofort von ihr
fasziniert ist. Kurz darauf geschieht ein Mord. Hauptverdächtige:
Jamie Watson und Charlotte Holmes! Ihnen bleibt nichts anderes übrig,
als die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen.
Buchgestaltung
Die Aufmachung
des deutschen Verlags finde ich sehr cool, so ganz in schwarz und
weiß gehalten erinnert das Duo darauf schon an das alte Sherlock &
Watson Gespann – zumindest hat es etwas sehr atmosphärisches. Auf
dem Original-Cover sind kleine Szenarien aus dem Buch bzw. den
Sherlock-Romane, die etwas mit den Fällen zu tun haben. Ich mag
beide Ausgaben sehr gerne und auch die Titel beider Verlage sind
treffend gewählt. Ausnahmsweise liegen deutscher und englischer
Verlag mal gleich auf.
Meinung
Ich bin nicht
der weltgrößte Sherlock-Fan auf der Welt, aber ich habe schon
einige Romane über den berühmten Detektiv und seinen Partner Watson
gelesen und ich mag die Stories einfach sehr gerne. Als ich von
„Holmes & Ich“ gehört habe, wollte ich es sofort lesen. 1)
weil es ein Jugendbuch ist und ich diese noch am liebsten mag und 2)
weil die Geschlechterrollen hier einmal vertauscht wurden und das
habe ich in Bezug auf Sherlock noch nicht so wirklich gesehen. Im
Roman ist es so, dass der echte Sherlock und der echte Watson
tatsächlich existent waren und der Autor der Bücher ein guter
Freund der beiden, der sozusagen deren Abenteuer in Buchform verewigt
hat. So kommt es auch, dass Jamie Watson und Charlotte Holmes die
Nachfahren der echten bekannten Vorbilder sind und ihre Familie daher
sehr populär, denn sie genießen hohes Ansehen bei der Polizei und
der Regierung. Unser Protagonist Jamie tritt also in riesengroße
Fußstapfen und hat es daher nicht ganz leicht unter dem Druck, den
sein Familienname ihm beschert, ein normales Leben zu leben. Zu
Beginn der Story muss er auch noch auf eine neue Schule und das Chaos
legt noch einen obendrauf, als er dort in Mordfälle verwickelt wird.
Ich habe vorab
viel gehört, dass dieses Buch hier „anders“ sein soll und man
Sherlock & Watson erleben würde, wie niemals zuvor, aber in
dieser Hinsicht wurde ich doch ein wenig enttäuscht. Zwar ist es
dieses Mal ein Mädchen, dass in die Rolle des Sherlock Holmes
geschoben wurde, aber Charlotte hatte meiner Meinung nach einfach
alles mit ihrem Vorbild gemein – sogar die vermeidliche
„Drogensucht“ und charakteristische Anwandlungen. Für mich war
sie in diesem Sinne leider nur das Abziehbild vieler anderer Figuren,
die dem echten Sherlock nacheifern, ohne eine eigenständige Person
in meinen Augen sein zu können. Das war natürlich nicht mega
schlimm, aber ich hatte mir einfach etwas mehr erwartet. Charlotte
war zwar intelligent und taktisch clever, allerdings fehlte mir etwas
die Entwicklung ihres Charakters – auch im Bezug auf die Beziehung
zu Jamie, welche hier beschrieben wurde.
Jamie ist der
männliche Protagonist aus deren Sicht wir die Story erleben und das
fand ziemlich gut. Zu Beginn schmachtet er doch ordentlich Charlotte
an, aber nach kurzer Zeit ist das vorbei und ich mochte seine
Sichtweise wirklich. Jamie war ein leicht zugänglicher Charakter,
der in einer flüssigen und interessanten Weise erzählt, was er
alles erlebt und was vor sich geht. Das Buch ist etwas so aufgebaut,
dass Jamie selbst nicht sehr aktiv ist und es mir oft vorkam, als
wäre er nur der Beobachter, aber das hat irgendwie zu der ganzen
Geschichte gepasst und als Leser hatte man mehr Raum für
Spekulationen oder wurde hin und wieder auch mal überrascht. Denn –
was Jamie nicht kommen sieht, ist auch dem Leser lange Zeit ein
Rätsel.
Was ich sehr
cool fand war, dass die Morde im Buch an die „echten Bücher“ von
Sir Conan Arthur Doyle angelehnt waren. Das war echt ein Bonuspunkt
für alle Sherlock-Fans und man hat gemerkt, dass die Autorin sehr
hinterher war, alles akkurat und spannend wiederzugeben, ohne zu sehr
von ihrem Idol abzukupfern. Es gab auch sehr viele Witze und kleine
Änderungen an den Stories, die mich oft zum schmunzeln gebracht
haben und klasse waren!
An sich war
mir der Plot oft zu langsam. So ein Mord braucht natürlich seine
Zeit um aufgeklärt zu werden, aber der rote Faden war erst kurz vor
Schluss sichtlich. Das fand ich etwas doof. Das Buch hat sich sehr,
sehr lange so gelesen, als würden gar keine Zusammenhänge bestehen
und am Ende wurde alles dann total leicht und rasch aufgelöst und
ganz so logisch fand ich das Motiv des Gegenspielers dann auch nicht.
Oder sagen wir besser nachvollziehbar. Es ist mir schon an vielen
Stellen schwer gefallen, die Handlung einiger Personen
nachzuvollziehen, weil sie einfach aus dem Nichts kamen und vorherige
Erklärungen leider völlig fehlten.
Was ich
wiederum gut fand war, dass die Liebesgeschichte sich Zeit nimmt.
Zuerst wird eine kleine Freundschaft aufgebaut und Kitsch ist hier
absolut keiner vorhanden. Charlotte und Jamie konzentrieren sich aufs
Wesentliche. Das Buch hatte außerdem einige sehr starke Momente. Das
lag besonders daran, dass Charlotte eine Figur war, die für sagen
wir mal „starke Heldinnen“ eingestanden ist und eben keine
Protagonistin, die sich alles hat gefallen lassen. Sie hat sich
selbst verteidigt und ist für sich eingestanden.
Zwischendurch
gab es auch eine Menge Action und Spannung und überhaupt war die
ganze Detektiv-Arbeit und das Setting sehr gut ausgearbeitet. All die
kleinen Seitenhiebe auf Namen und Orte lassen das Fan-Girl Herz höher
schlagen und „Holmes & Ich“ hatte definitiv seine originellen
Momente.
Holmes
& Ich ist ein solides Debüt, das für jeden Sherlock-Fan genau
das Richtige ist. Zwar fehlt dem Konzept doch etwas „Eigenanteil“,
allerdings ist der Plot spannend und interessant. Der Erzähler Jamie
war mir sehr sympathisch und ich fand es cool, dass die Autorin aus
Sherlock ein kluges Mädchen gemacht hat. Wenig Lovestory, mehr Mord
war ebenfalls ein Bonus. Wer also gerne eine Detektiv-Geschichte
lesen möchte, sollte sich das Buch nicht entgehen lassen. Ist man
allerdings etwas kritischer, dann könnte man sich an dem Aufbau von
Charlottes Figur und den Parallelen zu ähnlichen Büchern doch ein
wenig stören. Dennoch – gutes Buch, starke Figuren. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Doofes Pflichtfeld (sorry, muss sein!)

*

Ich bin einverstanden!

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.