[Ausgelesen] Paheli: Spiel um alles oder nichts

Packender Abenteuerroman für Kinder ab 10 Jahren. Für alle Fans von Jumanji.

Geheimnisvoll sieht das Spiel aus. Als Farah es aufbaut, beginnt es zu vibrieren. Da tritt Farahs kleiner Bruder aufs Spielbrett und verschwindet im Spiel. Farah springt ihm hinterher und landet in einer orientalischen Stadt voller Sanddünen, Türme und Paläste. Hier erwarten Farah nicht nur bengalische Köstlichkeiten und Mondlicht, das man aus Flaschen trinken kann. Sie muss auch drei Aufgaben bestehen. Denn nur wer diese Aufgaben besteht, darf die Welt des Spiels verlassen. Wer jedoch verliert, ist für immer darin gefangen …

Karuna Riazi | 17. Juli 2018 | Gebunden 14,99€ | 288 Seiten | Planet!

Mit Illustrationen von Maximilian Meinzold | Übersetzt von Cornelia Panzacci

Paheli: Spiel um alles oder nichts ist ein sehr treffender Titel für dieses Kinderbuch. In der Verlagsvorschau wurde es mit „Jumanji“ verglichen und das kann ich genauso unterschreiben. Die Geschichte handelt von der jungen Farah, die an ihrem zwölften Geburtstag mit dem mysteriösen Spiel „Paheli“ in Berührung kommt. Ihr jüngerer Bruder wird prompt wie von Zauberhand in dieses hineingezogen und um ihn zu retten, müssen Farah und ihre Freude gemeinsam als Team bei „Paheli“ antreten und den sogenannten „Architekten“ des Spiels besiegen – doch der kämpft nicht immer mit fairen Mitteln. Der Klappentext vermittelt genau das, was man bekommt: Eine abenteuerliche Handlung im Rahmen eines Spiels, kindgerecht für die Zielgruppe ab 10 Jahren aufwärts. Sowohl der Plot, als auch die Sprache sind ideal für junge Leser/innen.

Gleich eine Anmerkung vorab: In diesem Buch trägt die Protagonistin einen Hijab, was so viel wie ein Kopftuch ist. Die Familie von Farah ist aus Bangladesch nach Amerika gekommen und es finden sich kleine Details bezüglich dieser fremden Kultur im Roman wieder. Das fand ich absolut wundervoll, denn ich bin der Meinung, dass solche Thematiken öfter ihren Weg in Bücher finden sollten. Die Autorin lebt zwar in New York, aber ihre eigene Familie hat ebenfalls fremdländische Wurzeln. Gerade dadurch wirkt hier alles sehr natürlich eingeflochten und man lernt sogar noch das ein oder andere Wort in einer anderen Sprache dazu oder entdeckt kleine Eigenheiten von Farahs Kultur.

Das Spiel „Paheli“ an sich hat ein Wüsten-Setting, das durch indische und arabische Einflüsse geprägt ist und eine sehr schöne Atmosphäre schafft. Schon beim ersten Betreten davon fand ich die Beschreibungen äußerst gelungen, denn man gewinnt gleich das Gefühl hier eine Menge Abenteuer-Luft zu schnuppern. Das war besonders angesichts der üblichen Schauplätze von Kinderbüchern sehr erfrischend. An sich ist die Geschichte sehr simpel gestrickt: Die Freunde müssen Aufgaben bestehen, um „Paheli“ zu gewinnen – genau wie bei „Jumanji“ gilt es also Grenzen zu überwinden, zusammenzuhalten und bloß nicht zu verlieren. Dabei ist der rote Faden immer schön im Blick und dürfte daher auch kleineren Büchereulen keine Probleme bereiten. Durch den schlichten Schreibstil und die kompakten Dialoge wird das Ziel nie aus den Augen verloren.

Dabei hat die Autorin ihren Figuren trotzdem den ein oder Stolperstein in den Weg gelegt, die vor allem gegen Ende noch einmal für schön Schwung sorgen. Ich persönlich hätte es noch einen Tick spannender gefunden, wenn die Spiele im Roman nicht so „gewöhnlich“ gewesen wären, sondern etwas ganz Eigenes, denn man kennt diese aus der „normalen Welt“ sehr gut. Die Autorin hat jedoch viele originelle Ideen mit in die Handlung eingeflochten, wodurch der Gesamteindruck bei mir positiv war. Gerade diese kleinen Einschübe zu speziellen Tieren oder tückischen Fallen in der Wüstenstadt sorgten für einiges an Abwechslung. Man weiß nie so genau, was hinter der nächsten Ecke wartet!

Farah als Protagonistin mochte ich zudem echt gerne. Sie bietet viel Identifikationspotenzial für junge Mädchen, die noch lernen ihren Weg zu gehen. Ihr Mut und ihre Loyalität gegenüber ihren Freunden fand ich sehr schön. Allgemein war die Dynamik der Charaktere wirklich gelungen und ich habe sie stetig angefeuert. Dabei bleiben Farahs Freunde leider etwas blass auf den wenigen Seiten des Buches, für ein Kinderbuch kann man da aber auch noch mal ein Auge zudrücken. Die Randfiguren des Spiels blieben auch recht stereotypisch, erfüllten im Rahmen des Plots jedoch genau ihren Zweck. Ich persönlich hätte es noch super gefunden, etwas mehr Hintergrund Informationen zu den einzelnen Charakteren zu erhalten – hier konzentriert sich alles stark auf das Spiel und zwischen den Zeilen kann man nicht sehr viel herauslesen. Es gab auch so ein paar Momente, die ich als „abgehackt“ empfunden habe, weil es mehrere Zeitsprünge in den Kapiteln gab, wodurch ich 1-2 Mal etwas rausgekommen bin.

Mal angesehen davon ist der Lesefluss aber sehr flott und man kann das Buch gut in wenigen Stunden durchschmökern – und es macht dabei noch enorm viel Spaß. Ich habe es fast in einem Rutsch durchgelesen, weil die Seiten nur so dahinflogen und ich wissen wollte, ob am Ende alles gut ausgeht – als erwachsener Leser wird man hier zwar nicht sehr oft überrascht, aber das hat der Story echt keinen Abbruch getan. Wie gesagt – man bekommt genau, was der Klappentext einem verrät und deshalb wird man nicht enttäuscht. Die Autorin hat sich zudem bemüht ein paar Verstrickungen bezüglich der Charaktere einzubauen, sodass sich die Gegenwart des Spiels mit der Vergangenheit der Realität  ein wenig überschneidet – das fand ich gegen Ende wirklich schön aufgelöst und hat mich zum Schmunzeln gebracht.

Insgesamt ist „Paheli“ ein schönes Kinderbuch, das gradlinig und altersgerecht ein Abenteuer erzählt, welches trotz Vorhersehbarkeit Spaß beim Lesen macht und mit sympathischer Protagonistin aufwartet, die durch ihre Kultur und ihre Art zu Denken eine frische Brise ins Kinderbuch bringt. Ich würde das Buch allen empfehlen, die auf der Suche nach einer kurzweiligen und atmosphärischen Geschichte sind. Dank Wüsten-Setting und Spiel-Thematik wird einem hier nicht so schnell langweilig. Außerdem – für Jungs und Mädchen gleichermaßen toll!

Bei diesem Buch handelt es sich um ein Rezensionsexemplar, das mir vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Dies beeinflusst meine Meinung jedoch in keinster Weise. Meine Rezensionen spiegeln ehrliches Leser-Feedback wieder und ich verdiene damit kein Geld 🙂 

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