4 Sterne,  Buchrezension

[Ausgelesen] The Poet X von Elizabeth Acevedo

 Xiomara has always kept her words to herself. When it comes to standing her ground in her Harlem neighbourhood, she lets her fists and her fierceness do the talking. But X has secrets – her feelings for a boy in her bio class, and the notebook full of poems that she keeps under her bed. And a slam poetry club that will pull those secrets into the spotlight. Because in spite of a world that might not want to hear her, Xiomara refuses to stay silent. A novel about finding your voice and standing up for what you believe in, no matter how hard it is to say.

Elizabeth Acevedo | 1. April 2018 | Taschenbuch 7,99€ | 368 Seiten

 Egmont UK | Originalsprache: Englisch | Bislang keine Übersetzung

The Poet X habe ich Anfang des Jahres ganz spontan in einer Buchhandlung mitgenommen. Zuvor hatte ich das Cover bereits einige Male auf Goodreads gesehen und die sehr kunstvolle Gestaltung ist mir im Gedächtnis geblieben. Bei dieser Geschichte handelt es sich nicht um einen Roman im klassischen Sinne – hier findet man statt einem Fließtext Zeilen, die stark von Poetry Slam inspiriert sind. Kapitel werden durch Überschriften ersetzt. Meist sind diese “Gedichte” nur 1-2 Seiten lang, sind optisch so gesetzt, dass man beim Lesen durch die Leerzeilen gedanklich innehalten muss und die Worte so eine ganz besondere Atmosphäre freisetzen können. Die Autorin von Poet X ist selber als Poetry Slammerin aktiv und auf YouTube findet man einige ihrer Texte in Videoform.

Ich wusste gar nicht recht, was mich hier erwarten würde. Die Geschichte lässt sich durch die kurze Form viel schneller lesen, aber nicht unbedingt leichter. Denn hier werden von der #ownvoices Autorin einige enorm wichtige Themen angesprochen: Es geht darum als Latina in Amerika aufzuwachsen, um stark ausgeprägten häuslichen Glauben, um Feminismus und Rassismus, um Homosexualität und Konflikte mit der eigenen Ethnie. Doch trotz der vielen interessanten Ansätze und gut inszenierten Konflikte wirkt das Buch im Gesamten nicht unermesslich schwermütig.  Irgendwie hat die Autorin es geschafft auch eine Handvoll Humor und eine Prise Leichtigkeit mit in ihren Texten zu verarbeiten. Es ist eine Ansammlung aus Gedanken, Gefühlen und Ereignissen, in Form gebracht durch einen roten Faden, der die Geschichte von Protagonistin Xiomara erzählt.

Ihre größte Leidenschaft sind Gedichte. Mit ihnen drückt sie sich aus und verarbeitet alle negativen Impulse, die ihr das Leben so vor die Füße wirft. Von den oben aufgeführten Dingen, bis hin zu ganz normalem Teenager Kram. Besonders ihre Mutter stellt für Xiomara eine große Hürde da, denn diese ist streng gläubig und übt auf ihre Tochter einen regelrechten Slut-Shaming und Body-Shaming Kult aus. Neben der Situation zu Hause, die teilweise sogar von gewaltvollen Neigungen geprägt ist, hat Xiomara es in der Schule ebenfalls nicht leicht. Sie eckt aufgrund ihres Aussehens und ihrer Herkunft an. Dazu kommt, dass Geheimnis ihres Bruder und die erste große Liebe. Im Verlauf des Romans muss Xiomara lernen zu sich selbst zu finden und die starke, junge Frau zu sein, die bereits tief in ihr steckt. Dabei hilft ihr vor allem der kommende Wettbewerb zum Thema Poetry Slam, der hier auch als eine Art Zielgerade fungiert. Insgesamt ist die Erzählung sehr ausgewogen – von alltäglichen Momenten, bis hin zu schwierigen Konflikten und Dialogen ist es die Mischung, die mich hat weiterlesen lassen.

Meiner Meinung nach regt The Poet X viel zum Nachdenken an. Man setzt sich automatisch mit seinen eigenen Gedanken gegenüber wichtigen Themen auseinander und wird gleichzeitig von der Wortgewalt an einigen Stellen mitgerissen. Das Ende hätte für meinen Geschmack noch etwas abgeschlossener sein können. Einige Seiten mehr hätten die Geschichte wahrscheinlich runder wirken lassen, denn so bleiben einige Fragen offen.

Was ich besonders mochte war die Schreibweise, die sehr abwechslungsreich war und die Geschehnisse eindringlich und gefühlvoll geschildert hat. Auch Xiomara war eine interessante Protagonistin, mit der ich mitfühlen und ihre Ansichten teilen konnte. Gerade auch als weiße Leserin habe ich durch The Poet X einige Dinge dazu gelernt, weil sie einem so gut und verständlich näher gebracht wurden. Ich denke, gerade für Leser*innen, die ein wenig mehr in der Kategorie “Diverse Books” lesen möchten, ist dieser Poetry-Happen ein wirklich toller Einstieg!

The Poet X ist eine Geschichte in Gedichtform, die in Wort und Handlung überzeugen kann. Auf besondere Art erzählt die Autorin vom Leben einer jungen Frau, die sich mit vielen wichtigen Themen auseinandersetzen muss, um ihre eigene Stimme zu finden. Insgesamt nimmt man aus dem Buch viel mit, wird zum Nachdenken angeregt und versinkt in einigen poetischen Textgebilden, die sehr schön war. Mir fehlte noch ein winziger Funke, um alles abzurunden und es gab mehrere Stellen, von denen ich mir gewünscht hätte, man würde sie anders händeln.

Zusammenfassend: Starke Lektüre, mit starken Themen. Lohnt sich absolut!

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